Tränen, Angst, Dunkelheit, Hunger – Das Buch „Kindheit im Krieg – Sarajevo 1992-1995“ von Jasminko Halilovic

„Warchildhood in Sarajevo 92-95“

Als der Krieg im Bosnien 1992 anfing, war der Autor Jasminko Halilovic gerade mal vier Jahre alt. Er war eines von zehntausenden Kindern, die in der belagerten Stadt Sarajevo ihre Kindheit verbrachten. Eine Kindheit, die geprägt war von Angst, Tod, Hunger, Dunkelheit , Verlust. Die Belagerung dauerte 1425 Tage, die längste in der modernen Geschichte Europas. Mehr als 11 500 Menschen verloren ihr Leben, etwa 50 000 wurden verwundet. Die psychischen Wunden, welche die Menschen davon getragen haben und bis heute darunter leiden, werden meist nicht einmal erwähnt.

20 Jahre Später erscheint nun das Buch „War Childhood – Sarajevo 1992-1995“. Es ist ein besonderes Werk des Autors Halilovic, das er zusammen mit 1600 Menschen aus Sarajevo weltweit realisiert hat.

Mehr als zwei Jahre sammelte Halilovic Kindheitserinnerungen. Die meisten fand er im Internet. Er knüpfte Kontakte und fand auch Freunde. Die Idee fand bei den ehemaligen Kindern von Sarajevo großen Anklang. Sie schickten ihm ihre Erinnerungen, ihre Briefe und Bilder aus dem Krieg. Halilovic sagt, dass dieses Vorhaben ohne soziale Netzwerke nicht so schnell hätte realisiert werden können.

Jasminko Halilovic

Autor Jasminko Halilovic

Der Autor selbst hat seine Erinnerung dem Buch gewidmet, jedoch veröffentlichte er nicht das Buch mit der Absicht, um seine Kindheit im belagerten Sarajevo zu verarbeiten. Er selbst nennt sich einen der glücklichen, der kein Trauma davon getragen hat. Er wollte ein Werk erschaffen, das die Zeit in Worten festhält, die damals für die Kinder Sarajevos eine andere war – schwer zu beschreiben eben. Bis heute reden alle darüber in Gesellschaft und es stand für ihn fest, dass diese Empfindungen für die Nachwelt schriftlich festgehalten werden muss. Er wollte die Erinnerungen der Kinder von Sarajevo real werden lassen und deshalb ist dieses einmalige Werk entstanden.

Die Erinnerungen sind meistens nur in einem Satz wieder gegeben, doch ein einfacher ernst gemeinter Satz eines Kindes offenbart die brutale Fratze eines Krieges mehr als ein ganzer Bericht eines Erwachsenen. Adis, Jahrgang 1984, beschreibt den Krieg in einem Wort – er empfand die Zeit als „Hölle“.

Für Balkanblogger liest Sabina aus der deutschen Fassung, die demnächst in Deutschland erscheinen soll.

Zur Zeit kann das Buch kann in bosnischer und japanischer Sprache erworben werden und kostet ca. 25 €. Für die deutsche Fassung wird aktuell ein Verlag gesucht.

http://www.warchildhood.com

6 Comments »

  1. Hört sich sehr interessant an. Im Moment sind Kriegserinnerungen und -erlebnisse allgmein ein Thema bei mir. Egal, ob es um den 2. Weltkrieg, Palästina oder ein anderes Kriegsland geht. Und jedesmal bin ich so dankbar, dass ich alhamdulillah keine solche Erfahrungen machen musste und meine Seele nicht mit Maschinengewehren und Bomben belastet wurde.

  2. Ich muss jetzt gerade an ein Gespräch mit Sanja und Haris im Cafe Tito denken, am Dan Mladosti. Ein junges Paar, er studiert noch, sie hat glücklicherweise einen Job. Mitt-Zwanziger, beide. Er war im Krieg in Sarajevo, ihre Familie konnte nach Deutschland flüchten. Als Haris ein Bier holen war, sagte mir Sanja: Ich kann mit ihm nicht über den Krieg sprechen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, weil unsere Erlebnisse so verschieden waren und ich die Angst habe, dass er mich nicht versteht.
    Das hat mich erschüttert. Zwei junge Leute können nicht über ihre Kindheit reden, weil dieser verdammte Krieg drüberschwebt und ihnen die Sprache raubt.

  3. Hat dies auf belysnaechte rebloggt und kommentierte:
    wichtig ist, dass man weiß wohin man gehört und das kann überall sein, wichtig ist nur, dass man sich dabei mitnimmt und trotzdem gibt es für alles einen besonderen ort, ein buch kann das sein oder die kindheit und manchmal beides

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