Energie, Schönheit, Gesundheit – Marmelade „Scheherazade“

Rosenernte im Oman (Foto: Ministry of Tourism Sultanate of Oman)

Rosenernte im Oman (Foto: Ministry of Tourism Sultanate of Oman)

„Es ist wieder Rosenzeit. Ach ich möchte eine meiner Ideen umsetzen…“

Nachdem ich diese Zeile aus einem Vierzeiler des persischen Dichters  Khayyam (1050-1123) gelesen habe, war ich motiviert, einen Versuch zu wagen – einen kulinarischen.

Es ist wieder Zwetschgenzeit und diese Spätsommerfrucht spielt in der Küche auf dem Balkan eine große Rolle. Sie wird für salzige und süße Gerichte eingesetzt: frisch, eingelegt oder getrocknet. Doch sehr beliebt ist sie als Marmelade, die den ganzen Winter gerne gegessen wird.

Zwetschgen spielen eine bedeutende Rolle in der Balkanküche (Foto: balkanblogger.com)

Als ich im Juni 2014 in Sarajevo war, probierte ich eine Delikatesse, die sich „Djulbe secer“ nennt: ein dickflüssiger Sirup aus Rosenblättern und reichlich Zucker. „Djul“ bedeutet „Rose“ und „secer“ Zucker. Es reicht schon ein Löffel für Sättigung und die Geschmacksexplosion ist enorm: die starke Süße ist gewöhnungsbedürftig, doch dominiert der Geschmack der Rose. Faszinierend ist, dass der Duft der Rose schon in der Nase liegt, bevor die eingelegten Rosenblätter auf der Zunge landen. Es ist tatsächlich ein Spezialität für alle Sinne! Man wird von Rosen umgarnt. Diese Spezialität wird gerne zum Iftar, dem Abendmahl während des Ramadan, gereicht und auch zu weiteren besonderen Anlässen.

Nun ist es schwer die Blätter dieser Rosensorte zu bekommen, die man für diese Spezialität benötigt. Auf gut Glück gibt es sie schockgefroren oder getrocknet online zu kaufen. Doch bei dieser Art der Verarbeitung geht ein großer Teil des Duftes verloren. Eine weitere gute Alternative ist Rosenwasser. Beste Qualität stammt aus dem Oman, Türkei, Iran und Indien.

So beschloss ich heute beide Komponenten, die Frucht des Balkans und den Duft der Rose, zu kombinieren! Die Zwetschge erinnert in den kalten Wintertagen an den wunderbaren Spätsommer mit all seinen Farben und gesunden Gaben der Mutter Erde an die Menschen und die Rose bezaubert mit ihrem Duft! Sie versetzt uns in Träume, in weite Welten – sie umgibt uns mit Liebe. Es wundert nicht, dass sie schon seit Menschengedenken als Metapher für Schönheit genutzt wird.

Um das Rezept vollkommen zu machen, fügte ich noch Walnüsse dazu. Sie sind eine weitere gesunde Zutat, die uns die Natur schenkt: Walnüsse schützen vor Krebs, haben reichlich Omega 3, geben uns die nötige Energie fürs Gehirn und unterstützen das Denkvermögen. Auf die Idee kam ich, als mir vor kurzem ein sehr guter Freund aus Rumänien erzählte, dass in seiner Heimat Walnüsse eingelegt werden und als Brotaufstrich sehr beliebt sind. Auch mag ich gerne Walnussbrot. Mit dieser Variante ist eines nun schnell „gemacht“.

Ich wagte nun dieses Abenteuer und wurde nicht enttäuscht. Schon beim Zubereiten macht sich der betörende Duft der Rose, vermischt mit der Süße der Zwetschgen, in der Küche breit. Der Geschmack ist tatsächlich etwas besonderes. Hätte Scheherazade keine Geschichten mehr zu erzählen, dann hätte sie mit einem Löffel dieser besonderen Delikatesse auch das Herz und die Seele des Sultans für sich gewonnen. Deshalb widme ich die kulinarische Verschmelzung dieser klugen und schönen Frau aus dem Orient.

Die Zutaten (Foto: balkanblogger.com)

Die Zutaten (Foto: balkanblogger.com)

Für das Rezept wie aus 1001 Nacht wird folgendes benötigt:

1,5 kg unbehandelte Zwetschgen

500 gr. gehackte Walnüsse (ideal sind frisch geknackte)

250 ml Rosenwasser (im Biomarkt erhältlich)

2 kg Gelierzucker (ich nehme Rohrohrzucker mit Pektin)

Saft von zwei unbehandelten Zitronen

Schon das Kochen ist ein Dufterlebnis (Foto: balkanblogger.com)

Schon das Kochen ist ein Dufterlebnis (Foto: balkanblogger.com)

Die Zwetschgen entkernen und teilen. Alle Zutaten in einem hohen Topf miteinander vermengen und etwa 15 Minuten ziehen lassen. Danach kochen und immer wieder umrühren bei mittlerer Temperatur. Die Marmelade ist fertig, wenn die Zwetschgen weich sind. Auf dem Gasherd brauchten sie etwa 20 Minuten. Wer die Marmelade sehr fein haben möchte, kann die Früchte vor dem Vermengen pürieren. Ich persönlich bevorzuge Fruchtfleisch und benutzte daher einen Kartoffelstampfer, wenn die Zwetschgen schon sehr weich sind. Zuletzt in Gläser füllen, gut verschliessen und einige Zeit auf den Kopf stellen. 

So werden grobe Stücke der Zwetschgen und Walnüsse gleichmäßig im Glas verteilt (Foto: balkanblogger.com)

So werden grobe Stücke der Zwetschgen und Walnüsse gleichmäßig im Glas verteilt (Foto: balkanblogger.com)

Diese Kombination ist ideal als Brotaufstrich, zum Süßen von Speisen, wie Pfannkuchen oder Buchteln. Sie passt auch wunderbar zu Fleischgerichten, wie Wild oder Lamm.

Bujrum! Prijatno! Guten Apetit! 

Foto: balkanblogger.com

Foto: balkanblogger.com

Eine weitere Variante für Zwetschgenmarmelade findet sich hier:

http://balkanblogger.com/2012/08/21/zwetschgen-marmelade-kochen-fur-eine-balkanesin-ehrensache/

4 Comments »

  1. Gerade habe ich meinen Pflaumenmus gekocht, aber ich glaube, wenn ich noch eine Portion mache, dann werde ich dein Rezept ausprobieren, das klingt sehr gut, und ich rieche es förmlich. lg Marlies

  2. Hallo Mirella,

    das erste Mal hier und schon ein großer Fan deiner Seite. Das Rezept hört sich sehr lecker an, werde mir jetzt mal einen Pflaumenbaum suchen und dich und ein tolles Rezept auf meinem Blog vorstellen 🙂

    Balkanesische Grüße

    Mila

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