Und Tito sprach …

Es lebte einst ein Mann in Europa, der sein kleines Land Jugoslawien zu einem der mächtigsten der Welt machte, unabhängig von restlichen kommunistischen Staaten. Sein Name war Josip Broz Tito, Präsident der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, und wird heute gerne von einigen als Diktator beschrieben. Sicherlich wollte keiner mit seinem Geheimdienst kollidieren und zugegeben, es traf auch Unschuldige, die in das umstrittene Hochsicherheits-Gefängnis Goli Otok auf einer kroatischen Insel kamen, der neuen „Heimat“ für Regimegegner, Stalinisten und Faschisten, wo sie einen harten Job in den Steinbrüchen verrichten mussten.

Josip Broz Tito

Josip Broz Tito

Warum zerstritt sich Tito mit Stalins Russland, waren doch beide kommunistische Staaten? Stalin gefiel Titos Selbstbewusstsein nicht. Stalin nahm sein Volk aus, Tito gab seinem Volk. Stalins Kommunismus sperrte das Volk ein, Titos Kommunismus öffnete dem Volk seine Grenzen in die weite Welt. Das ist Fakt. Stalin drohte Tito mit Krieg, doch dieser hatte eine starke Armee und den Westen, die hinter ihm standen. Tito sagte über Stalin: „Bei Stalin war jedes Verbrechen möglich, denn es gibt kein einziges, das er nicht begangen hätte! Ihm wird jedenfalls der Ruhm zufallen, der größte Verbrecher der Geschichte zu sein.“ Er sollte Recht behalten. Stalin ging in die Geschichte ein, mehr Leben im eigenen Volk ausgelöscht zu haben, als sonst irgendein anderer Herrscher. 

Eine Legende erzählt, Stalin hätte Tito einen Sack voller Reiskörner geschickt mit der Nachricht: „Ich werde Dir eine Armee schicken, die unzählbar ist, wie dieser Sack Reiskörner.“ Tito ließ daraufhin auch Stalin ein „Geschenk“ zukommen: eine kleine Tüte scharfer Chillies aus Jugoslawien. Seine Nachricht an Russland: „Probiere uns mal aus, du wirst Dich daran verbrennen!“

Etliche Male versuchte der russische Geheimdienst, Tito „auszuschalten“. Vergebens. Tito riet Stalin: „Hör auf, Leute zu schicken, um mich umzubringen. Wir haben schon fünf von ihnen gefangen, einer davon mit einer Bombe und ein anderer mit einem Gewehr. Wenn Du nicht aufhörst, Mörder zu schicken, werde ich einen nach Moskau schicken, und ich werde es kein zweites Mal tun müssen.“ (Robert Service, »Stalin: A Biograph«, Harvard University Press, Cambridge 2005)

Man mag das Regime von Tito kritisieren. Und ja, er hat auch Fehler begangen. Doch seine Liebe zum Volk und sein Verständnis für Gleichberechtigung und Freiheit für alle haben das Land reich gemacht. Heute ist davon nichts übrig. Jugoslawien gibt es seit 1991 nicht mehr. „Wir haben einen ganzes Meer an Blut für die Brüderlichkeit und Einigkeit unseres Volkes geopfert, wir sollen nun nicht erlauben, dass sie irgendjemand zerstört!“ Das hat die Generation nach Tito geschafft: die Zerstörung von Frieden und das Anzetteln von einem schrecklichen Krieg, der auf Basis von Religion geführt wurde. Gerne wird diese Tatsache als Grund genannt, um zu erklären, dass Tito das Volk all die Jahre unterdrückt habe. Nun, ich sehe es anders. Tito hatte Recht mit seinen Aussagen über Nationalismus und Greifen der Religion in die Politik. Titos Zitat: „Im Leben sind Arbeit, Ordnung und Disziplin wichtig“ gilt schon lange nicht mehr. Die Politiker und ihre Verbündete auf dem Balkan kennen diese drei Begriffe nicht. Ihnen ist wichtig, das Volk auszunehmen, zu unterdrücken und durch Lügen gegeneinander zu hetzen, um ihre eigenen persönlichen, meist materialistischen, Vorteile daraus zu ziehen. 

Bosnien ist ein hervorragendes Paradebeispiel. Tito sagte einst zu dieser beispiellosen multikulturellen Republik im Staate Jugoslawien: „Während des 2. Weltkrieges wurde hier ein Kampf geführt, nicht nur, um Jugoslawien zu gründen, sondern es wurde auch ein Kampf zur Gründung einer souveränen Republik Bosnien und Herzegowina geführt. Einigen Generälen und Führern war dies nicht klar. Ich zweifelte nie an meiner Haltung gegenüber Bosnien. Ich sagte immer, Bosnien und Herzegowina kann nie dem einen oder anderen gehören. Es kann nur den Menschen gehören, die darin seit ihrem Bestehen leben.“ Dank den westlichen Mächten wurde Bosnien gesplittet und ethnisch geteilt, genau das, was Tito verhindern konnte. Das bosnische Volk kämpft nun 22 Jahre nach dem Balkankrieg um Gerechtigkeit und Auflösung des Dayton-Vertrags. Doch der Kampf geht schleppend voran. Eine Unterstützung von ausserhalb ist nicht zu erwarten. Ihnen fehlt eine starke Persönlichkeit wie Tito.

Wo sind die charakterstarken und charismatischen Landväter, die für Brüderlichkeit und Einigkeit für das eigene Volk einstehen? Zwei Begriffe, die heute selten erwähnt werden. Unsere Generation ist die des Kapitalismus und ethnischen Nationalismus. Tito sagte, er regiere ein Land, das mit zwei Alphabeten, drei Sprachen, vier Religionen und fünf Nationalitäten, die in sechs Republiken leben, von sieben Nachbarn umgeben sind und mit acht Minderheiten auskommen musste. In diesem Land musste sich keiner minderwertig oder ausgegrenzt fühlen. Eine menschliche Utopie des Friedens, die Tito zumindest für einige Zeit aufrecht erhalten konnte.

2 Comments »

  1. Jetzt weiß ich das ich recht habe, wenn ich immer das Gefühl habe, alle (fast alle?) Völker des Ex Jugoslawiens sehen Tito nicht als das was wir ihn hier sehen.

    Liebe Grüße Sina
    P.S. Tito hätte nicht lange gefackelt denke ich,…

  2. ich verstehe, dass du tito verehrst, aber ich verstehe nicht, wie man ihn zum guten diktator erklären kann. leider besteht deine argumentation nur aus behauptungen: der eine ‚liebte das volk‘, der andere ’nutzt das volk aus‘. der westen ist nicht schuld an der bosnischen tragödie, das sind immer die erklärungen in den diktaturen, dass die draußen schuld sind. ein schöner spruch dazu: gefängnistüren gehen nur von innen auf.
    beste grüße
    rst

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