Ivan Ramadan: „Ich mag vollkommene Animation auf hohem Niveau!“

Kiyamet -  a film by Ivan Ramadan

Kiyamet – a film by Ivan Ramadan

Peter Jackson begeisterte die Kinowelt mit Filmen wie „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“. James Cameron überraschte mit einem Mix aus real gedrehtem und Computer animierten Film „Avatar“. Es sind diese hoch technisierten Animationen und nicht nur die Geschichten, die den Zuschauer begeistern und in eine Fantasie-Welt entführen.
Der Produzent Ivan Ramadan aus Sarajevo ist im Vergleich zu den beiden eben genannten Herren noch sehr jung, doch hat er Animationsfilme gedreht, die es locker mit dem Niveau aus Hollywood aufnehmen können. Sein Kurzfilm „Tolerancija“ war der erste 3D animated Film in Bosnien. Zusammen mit seinen nachfolgenden beiden Produktionen „“Wondermilk“ und „Kiyamet“ räumte er 14 Awards ab, nachdem sie auf 70 Festivals weltweit ausgestrahlt wurden.
Die Erwartungen sind groß auf seinen neuen Film "Azdaja"

Die Erwartungen sind groß auf seinen neuen Film „Azdaja“

Aufgefallen ist der junge Künstler auf dem diesjährigen 19. Sarajevo Film Festival. Er stellte dem Publikum den Trailer seines neuen Werkes „Azdaja“ vor: ein animierter Kurzfilm über eine bosnische Drachen-Legende, die bis heute in den Bergdörfern lebt.
Es sind die Bilder in Slow-Motion, die den Zuschauer fesseln und die Musik, die sich im Unterbewussten festsetzt. Auch ein Nicht-Bosnier möchte mehr davon sehen und ist gierig, über diese Legende mehr zu erfahren. Noch ist das neue Werk in Produktion: „Wenn es fertig ist, dann ist er fertig“, antwortete er lachend auf die Frage, ab wann der Film in den Kinos zu sehen sein wird.
Vor kurzem hat Ramadan seinen dritten Animationsfilm „Kiyamet“ auf youtube veröffentlicht.
Er arbeitete zwei Jahre daran. Das Werk reflektiert sowohl Ramadans Gedanken und Ängste, als auch seinen ewigen Wunsch nach absoluter Kontrolle. Der Film spielte sechs Awards bei internationalen Festivals ein.
Ivan Ramadan ist ein Künstler der Gegenwart, auf den man sicherlich außerhalb der Grenzen seines Heimatlandes aufmerksam werden wird. Was ihn zu den Animationen bewegt und ihn v.a. von anderen in seiner Branche unterscheidet, erzählt er in einem Interview.
Deine Animationen sind ein Mix aus „Lord of the Rings“ und „Avatar“. Nur, dass Deine Werke über slawische Mythologien erzählen. 
Eigentlich erzählt nur mein letzter Film über eine Legende aus Bosnien, die des Drachen. Aber es ist wahr, ich mag es, eine technisch vollkommene Animation auf hohem Niveau zu erstellen, während ich eine Geschichte erzähle, die nicht dem Hollywood-Mainstream entspricht. Stories der Filme, die technisch gut ausgeführt sind, sind grundsätzlich voraussehbar, während die Technik bei thematisch interessanten alternativen Underground-Filmen recht schlecht ausgeführt ist. In meinem Schaffen versuche ich das beste aus diesen beiden Welten zu verbinden.
Hast Du viel Märchen aus Balkan gelesen?
Ich habe eher so gut wie keine Geschichten aus diesem Gebiet gelesen und ich behaupte sogar, dass sie sehr vernachlässigt wurden, wie ein Großteil unseres kulturellen Erbes. Daher versuche ich charakteristisches Kulturgut aus dieser Gegend in meinen Filmen zu verarbeiten, wie Sevdalinke (traditionelle Musik aus Bosnien und Herzegowina), Stecci (mittelalterliche Grabsteine auf dem Balkan) und ihre Geschichte. Bosnien war konstant den Einflüssen  von Ost und West ausgesetzt und es wurde während ihrer gesamten Geschichte von verschiedenen Kulturen besetzt. Dadurch ist eine besonders vielfältige Kultur entstanden. Die Menschen übernahmen das, was ihnen gefiel oder das, was ihnen aufgedrängt wurde und vermischten es mit lang existierten. So bauten sie etwas sehr beachtenswertes auf. Die sog. Stecci, mittelalterliche Grabsteine, spiegeln diese Besonderheit wieder. Auf ihnen sind Symbole aus dem Christentum, des Islam, slawischer und griechischer Mythologie dargestellt. Auch bestand in Bosnien die sog. Kirche „Bosanska“, die christliche und heidnische Traditionen in sich verkörperte. Die Bedeutung der Grabsteine und die auf ihr abgebildeten Symbole wurden noch nicht entschlüsselt, aber es bestehen verschiedene Theorien über ihre Entstehung und die Interpretation der Symbole.
Wie fallen Dir die Geschichten für Deinen Animationen ein?
Ideen schöpfe aus allem, was mich umgibt und ich versuche, jedes Mal etwas anderes zum vorherigem zu erschaffen – technisch wie auch thematisch. Mein erster Film „Tolerancija“ handelt über religiöse Intoleranz, die nicht nur in Bosnien gegenwärtig ist, sondern meines Erachtens ein Bestandteil der gesamten Menschheitsgeschichte ist. Mein zweites Werk  „Wondermilk“ handelt über ein Kindermärchen von meinem Vater Hajrudin Ramadan. „Kiyamet“ („Weltuntergang“), mein dritter Film, ist eher abstrakter Natur und ist inspiriert von meinen innerlichen Ängsten und Gedanken. Aktuell arbeite ich am Film „Azdaja“ (The Dragon). Die Handlung basiert auf einer Legende über einen Drachen in den bosnischen Bergen aus dem Bergdorf Umoljani bei Sarajevo.
In „Kiyamet“ sieht man eine Kirche, in welcher Du Yoga praktizierst. Meditierst Du, bzw. praktizierst Du den Buddhismus?
Im Film beziehe ich mich auf verschiedene Religionen. Damit hege ich den Wunsch, mein Publikum zu animieren, über die Verbindung von Göttern, Schöpfern und ihres eigenen Verstandes nachzudenken. Wie schon das Zitat am Anfang des Filmes lautet: „Der Verstand ist der Platz für sich selbst und er kann das Paradies in die Hölle verwandeln, oder aus der Hölle das Paradies erschaffen.“ Wir alles sind Schöpfer unserer eigenen Welten. Ich persönlich bin nicht religiös, aber Meditation und Experimente mit meinem eigenen Verstand entsprechen mir sehr.
Wenn Du die Möglichkeit hättest, eine große Produktion über Bosnien und Herzegowina zu drehen, welches Thema würdest Du aufgreifen?
All meine Filme waren bis dato komplett unabhängig. Nur mit „Azdaja“, meinem aktuellen Werk, holte ich die Produktions-Firma „Prime Time“ aus Sarajevo mit ins Boot. Das Drehen eines Kurz- oder Spielfilms ist in der Herstellung eine absolut unterschiedliche Vorgehensweise. Würde ich einen Spielfilm drehen, müsste ich ein großes Team an Menschen koordinieren, damit ich die Thematik erfolgreich umsetzen könnte. Ich denke aber, dass ich in näherer Zukunft einen Spielfilm in Angriff nehmen werde. Und natürlich wird auch dieses Film-Projekt eine unerforschte Besonderheit aus der bosnischen Kultur aufgreifen.
Ivan Ramadan

Ivan Ramadan

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