Gesunde Fastfood-Gourmet-Reise gefällig? Ab nach Bosnien!

 

„Wollen wir zu McDonalds, wenn schon nichts anderes offen hat?“ „Naja, also der Pizzadienst ums Eck kann nicht schlechter als der Mc-Fraß schmecken!“ Ich war sehr erstaunt über diese Konversation.

Vor etwa einem Jahr hat der erste McDonalds in Sarajevo eröffnet, und ich hatte die Befürchtung, dass dieses Ereignis die Esskultur der Stadt zerstören könnte. Ich muss zugeben, dass ich McDonalds-verseucht bin, obwohl ich es vermeide, hier meine Mahlzeiten einzunehmen. Doch die Bewohner Sarajevos schätzen diesen Fast-Food-Tempel nicht. Sicherlich, man stattet ihm einen Besuch ab, es ist was Neues in der Stadt, und diejenigen, die nicht im Ausland waren, wollten es doch mal kosten, den Hamburger, der weltweit in aller Munde ist. Aber es schmeckt den meisten nicht. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht!“ „Zu teuer!“ „Bis ich satt werde, muss ich viel Geld in dem Laden lassen!“ etc., etc. Der Laden ist dennoch voll, wann auch immer man vorbeifährt, allerdings setzt sich der größte Teil des Klientels aus Touristen und ausländischen Geschäftsleuten zusammen.

Doch McDonalds hat große alt eingesessene Konkurrenz in Sarajevo. An jedem Eck befindet sich ein ein kleiner Gourmet-Tempel, der frische Gerichte für kleines Geld anbietet und jeden Gast glücklich und satt macht!

Fangen wir mal mit den Bäckereien anDer Duft von frischen Brötchen und Gebäck begegnet einem immer wieder in und ausserhalb der Städte, egal um welche Uhrzeit. In jedem Stadtviertel finden sich Bäckereien, die rund um die Uhr frische Backwaren anbieten. Eine Klassiker sind die gesalzenen warmen Hörnchen (Kifle). Zehn Stück kosten 1 €. Tradition, die bis heute gerne von jung und alt weiter geführt wird: man holt sich das Gebäck einfach mal so nebenbei auf dem Weg nach Hause.

Cevape, wie sie traditionell serviert werden

Der Besuch einer Cevabdzinica (Cevapcici-Imbiß) ist ein Muss! Bosnien ist der Ursprung der köstlichen Hackfleichröllchen und da schmecken sie auch am besten! Bitte vergessen Sie die Cevapcici, die Sie bis dato probiert haben! In Deutschland bekommen sie beim Jugo um die Ecke die Spezialität aus Schweinefleisch serviert – was nicht dem Originalrezept entspricht. Oder würden Sie Ihre bayerischen Weisswürste aus Lammfleisch essen wollen? Wohl eher nicht… Traditionell werden Cevapcici auf einem offenen Grill in einer Inbißstube zubereitet. Serviert werden sie im Fladenbrot (Somun) und frisch gehackten Zwiebeln. Wer mag, bestellt dazu Kajmak, eine Art Schmand. Dazu trinkt man Vollfett-Joghturt und Wasser. Gegessen wird mit Händen. Kosten pro Portion (10 Cevapcici) liegen bei etwa 4 €. In jeder Region werden Cevapcici anders zubereitet, der Geschmack ist überall köstlich und einzigartig, sei es in Sarajevo, Doboj, Banja Luka oder Travnik. Sie werden aus Rind, Kalb- und Lammfleisch zubereitet.

Pita, ein gerne gegessener Snack, den man mit nach Hause nimmt

Vegetarier kommen auch auf ihre Kosten, u.a. in den sog. Buregdzinica, die verschieden gefüllten Blätterteig anbieten. Hinter der Theke wird der Blätterteig frisch zubereitet und kunstvoll auseinander gezogen, daneben wird er gefüllt mit Kartoffeln, Kurbis, Käse, Mangold, oder als süße Variante mit geriebenem Apfel. Die vegetarische Variante bezeichnet man als „Pita“, die mit Fleisch gefüllten als „Burek“. Dabei wird der gefüllte Blätterteig entweder in Reihen auf dem Backblech gelegt oder zu kleinen Schnecken gerollt. Gekauft wird nach Kilo.

Ich kann mich noch sehr gut an das alte osmanische Haus meiner Großtanten erinnern. Zwar war ich noch sehr jung, als ich Ferien bei ihnen verbringen durfte, aber meine Erinnerung an die liebenswerten beiden alten Damen ist bis heute noch sehr lebendig! Jeden Tag standen sie vor Sonenaufgang auf, um das traditionelle bosnische Essen zuzubereiten, darunter auch Burek und Pita. Meine Tante saß am Boden vor einem niedrigen runden Holztisch, worauf der Teig mit einem speziellen langen dünnen Nudelholz, genannt Oklagija, auseinander gerollt wurde. Zum Schluss wurde er noch vorsichtig mit den Händen auseinander gezogen, bis er so dünn war, dass man die Hand durchsehen konnte. Sie machte es mit so viel Liebe und als Kind genoss ich es, ihr dabei zuzusehen! Früher wurde dieses Gericht in den privaten Häusern selbst zubereitet, heute fehlt leider die Zeit dazu, da die meisten Frauen zum größten Teil ganztags arbeiten. Doch Buregdzinica ist eine tolle Alternative, dieses köstliche Gericht zu kosten, da es immer frisch und aus regionalen BIo-Zutaten zubereitet wird. Ein Kilo kostet etwa 3 €, eine Portion unter 1 €.

Ein selbst zusammen gestellter Teller mit Leckereien in einer Asdzinica

Bosnische Küche bietet exquisite Eintöpfe an. Suppen-Imbisse finden immer mehr Einkehr in deutschen Städten, das Pendant auf dem Balkan, genannt Asdzinica, existieren schon seit einigen Jahrhunderten. Durch den Balkan zog sich eine verkehrsreiche Handelsstrasse. An dieser Handelsrute gab es Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende und Unterkünfte für Pferde, genannt Han. Und ebenda hatten die Besucher die Möglichkeit, sich für wenig Geld zu stärken. Diese traditionellen „Imbißstuben“ existieren bis heute noch. Von verschiedenen klassischen Fleischeintöpfen bis hin zu vegetarisch gefüllten Gemüse ist hier alles zu haben. Die Gerichte werden täglich mehrmals frisch zubereitet und man kann sich seinen Teller selbst zusammenstellen.  Frische Salate und traditionelle Nachspeisen werden auch angeboten. Mein persönliches Menü: frischer weisser Krautsalat als Vorspeise, Eintopf mit Rind und Okraschoten an Kartoffelpüree als Hauptspeise und Apfelkompott/Kompott aus trockenen Früchten/Waldbeerkompott als Nachspeise. Die Kosten belaufen sich für das 3-Gängemenü auf etwa 8 €. Brot oder Fladen wird übrigens immer mit serviert, ob Sie Beilagen bestellt haben oder nicht. Ein Bosnier isst zu allem Brot!

Somun, das traditionelle Fladenbrot

klix.ba

In diesen hochqualitativen „Imbissbuden“ wird auch ein Gericht serviert, das jeden Tag in der Früh frisch zubereitet und und nur bis 11.00 Uhr serviert werden darf, „Pace“ genannt. Erinnert sehr an die bayerische Weisswurst-Tradition. Pace sind allerdings keine Würste, sondern ein Eintopf aus gekochten Innereien vom Lamm. Diese traditionelle Spezialität kommt ursprünglich aus dem Orient und wird sowohl in Vorderasien als auch in Bosnien gerne von der älteren Generation gegessen.

Traditionelle Süßspeisen

Slasticarna Sarajbosna/Sarajevo

Bosnien ist auch für seine Süßspeisen bekannt. Die Auswahl ist sehr reichhaltig und jeder wird auf seine Kosten kommen, da die Rezepte aus dem osmanischen Raum, Österreich, Ungarn stammen. Wundern Sie sich daher nicht, wenn österreichisch-ungarische Torten oder Blechkuchen neben orientalischen Süßspeisen wie Baklava, Kadaif oder Tulumbe angeboten werden. Mein Favorit ist das typisch bosnische Dessert Tufahija, ein mit weisser Creme und Walnüssen gefüllter Bratapfel.

Mokka-Kaffee wird den ganzen Tag in Bosnien serviert

Verdursten wird man in Bosnien auch nicht. Eine große Auswahl an kalten und warmen Getränken erwarten den Gast. Sehr zu empfehlen sind selbst gemachte Säfte aus Sirup, wie Holunder, Blaubeere oder Granatapfel. Einzigartig aus Bosnien ist der sog. Saft Boza, der aus Maiskorn hergestellt wird. Man bekommt diese Saft auch im restlichen Balkan angeboten (Bulgarien, Türkei, etc.=), allerdings wird er in den Gebieten anders zubereitet und ist leicht alkoholisch. Das traditionelle warme Getränk ist der Mokka, der in der Dzezva zubereitet und aus Fildzan getrunken wird.

Gerüchte machten sich breit, dass Alkohol nicht in Bosnien zu bekommen wäre. Es gibt sicherlich den einen oder anderen Ort, wo dies zutrifft, aber das ist Seltenheit! Bier in Bosnien schmeckt sehr gut! Und hat auch seine Brau-Tradition. Einen Sljivovitz, den meist selbst gebrannten Schnaps aus Zwetschgen, lässt sich ein Bosnier nicht nehmen. Er ist Bestandteil bei einem geselligen Zusammensein und hilft der Verdauung nach einem wundervollen Mahl!

Bosnier beim Wiegen der Zwetschgen - alte Postkarte

Araber versuchten nach dem Balkankrieg, den Sljivovitz zu verbieten. Allerdings erklärten ihnen die Bosnier: „Wir Bosnier sind europäische Muslime – und bei uns lässt Allah keine Palmen, sondern Zwetschgenbäume wachsen, deren Früchte uns den Sljivovitz schenken!“ Und ein Bosnier muss nicht muslimisch sein, er kann auch dem katholischen, orthodoxen oder jüdischen Glauben angehören. Das wird immer wieder gerne vergessen. Oder dies ist dem Rest der Welt gar nicht bekannt. Doch eines sollten Sie wissen: egal, welchem Glauben Sie angehören, Sie werden ein gern gesehener Gast auf dem Balkan sein, denn Gastfreundschaft spielt in diesem Teil von Europa eine sehr große Rolle. Und am besten werden Sie die Kultur des Landes beim gemeinsamen Essen und Trinken kennenlernen.

Darauf ein „Zivjeli!“ („Möget Ihr leben“ – „Prost“ auf bosnisch)

Mehr Infos zur traditionellen Küche unter:

https://mirellasidro.wordpress.com/2011/11/08/one-day-trip-to-sarajevo/

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